Brevet – Sechshundert Kilometer 2014 – Erfahrung sammeln

Sechshundert Kilometer in vierzig Stunden zu fahren war die Aufgabe für die letzte Etappe meiner diesjährigen Brevet-Saison. Aufgrund des langen Pfingstwochenendes hatte ich mir überlegt das Hamburger 600-Brevet zu absolvieren, da der Montag bekanntlich frei ist und deshalb ideal um die müden Muskeln zu entspannen.

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Die Strecke sollte von Hamburg aus in den Süden gehen (Lüneburger Heide), danach in den Westen Mecklenburgs (meine Heimat), nach Norden in die Lübecker Bucht, weiter nach Norden nach Heiligenhafen und von dort aus durch die Schleswig-Holsteinische Schweiz zurück nach Hamburg. Das Wetter versprach sich von der trockenen Seite zu zeigen, jedoch auch sehr fordernd, denn Temperaturen im Schatten von 29° Celsius waren angesagt.

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Der Start erfolgte im Hamburger Stadtteil Rothenburgsort. Kurz vor Erreichen des Startpunktes erblickte ich erfreuter Maßen zwei bekannte Gesichter der vergangenen Berliner Brevets. Christoph und Willi hatten sich ebenfalls überlegt das lange Pfingstwochenende zu nutzen. Neben uns haben sich weitere handgezählte sechzig Randonneure am Start eingefunden und nach ein paar kurzen Worten des Organisators ging es auch schon los.

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Die ersten zwanzig Kilometer führten zur Elbfähre „Zollenspieker“ und über Straßen die ich bestens kannte. Die Strecke entsprach teilweise meiner Trainingsstrecke entlang der Deichkrone, sodass lockere Gespräche auf den Rädern geführt werden konnte. Gleich zu Beginn merkten wir, dass die „Hamburger“ es ein wenig eiliger haben als die Berliner Randonneure. Wir fanden uns ziemlich schnell am Ende des Feldes wieder und setzten die Fahrt zu Viert bis zum Zollenspieker fort.

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Zu diesem Zeitpunkt war bei mir die Stimmung prächtig und wir genossen zu diesen frühen Stunden die bereits hervorragenden Radbedingungen. An der Zollenspieker Fähre war das gesamte Feld des Brevets wieder zusammen und wartete zusammen auf die Fähre. In Reih und Glied, ganz vorschriftmäßig, positionierten sich die Zweiräder auf die rechte Seite der Fähre und die wohl langsamste Elbquerung per Fähre wurde gestartet. Denn der Ticketverkäufer hatte alle Hände voll zu tun von sämtlichen Radlern den fälligen Obolus von 2,50€ Fährgebühr einzusammeln, bevor die Fähre am anderen Ufer anlegte.

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Angekommen auf der westlichen Elbseite zeigte sich das gleiche Bild. Die „Hamburger Jungs“ hatten es eilig. Ob sie noch anderweitige Termine zu Pfingsten hatten oder einfach perfekt trainiert waren, konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen. Sie waren/fahren einfach zu schnell. Selbst unsere Durchschnittsgeschwindigkeit lag zu Beginn des Brevet über der der letzten Langstreckenausfahrten. So ging es westwärts teilweise auf und ab, doch vorwiegend konnte auf sehr guten Straßenbelägen die Lenkerenden umfasst werden, was für ein relativ hohes Tempo sprach. Wir haben die Spitze des Feldes lediglich noch einmal zu Gesicht bekommen. Der erste Kontrollpunkt in Holm Seppensen war so gelegt, dass sich Anfahrt und Abfahrt glichen und deshalb der Tross der Randonneure uns entgegenkam, als wir unseren ersten Kontrollpunkt nach 58km erreichten.

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Die Wasservorräte wurden aufgefüllt und so machten wir uns zu Dritt auf den zweiten 72km langen Abschnitt nach Bad Bevensen durch die Lüneburger Heide. Wir wechselten uns sehr harmonisch in der Führungsarbeit ab, merkten jedoch ziemlich schnell, dass das permanente Wechselspiel von Gefälle und Anstieg sehr kraftraubend war, zumal das Thermometer mittlerweile 25° Celsius anzeigte. Wir verständigten uns darauf, dass die Anstiege langsamer angefahren werden sollten. Es wollte aber kein so richtiger Fluss des Pedalierens zu Stande kommen. Christoph und ich unterhielten uns über unsere Verfassung. Wir stellten fest, dass er unter einer Erkältung litt, und ich wohl doch stärker geschwächt war als gedacht, von meiner Erkältung resultierend aus dem Brevet über 400km. Zudem stellte ich fest, dass ich extrem müde war. So hatte ich zeitweise stark zu kämpfen meine Augen offen zu halten. Und das bereits um zwölf Uhr Mittags. Da merkte ich das erste Mal an diesem Tag, dass diese Unternehmung der 600km ein mehr als anstrengender Ritt werden kann.

Meine Müdigkeit verflog dann, als wir Drei uns entschlossen jeder sein eigenes Tempo zu fahren. Das war ungefähr bei Kilometer 100. Ich fand zu meinem eigenen Rhythmus und überholte sogar eine kleine vorrausfahrende Gruppe von drei Randonneuren und erreichte recht zügig die zweite Kontrollstelle in Bad Bevensen.

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Christoph und Willi konnten ebenfalls zu der Dreiergruppe aufschließen und entschieden sich kurz vor Bad Bevensen dazu, in einem griechischen Restaurant Mittagsrast bei Pommes und alkoholfreiem Weizenbier zu machen. An der Kontrollstelle galt es wieder die Getränke aufzufüllen und ebenfalls den Sonnenschutz zu erneuern. Dann machte ich mich auch ziemlich schnell weiter auf den Weg.

Doch nach ca. zehn Kilometern und einigen weiteren kraftzehrenden Anstiegen brauchte ich unbedingt eine Mütze Schlaf. Ich nahm mir eine Parkbank als Bettersatz und machte für eine halbe Stunde die Augen zu. Ich nahm noch kurz wahr, dass die Dreiergruppe mich bei meiner Rast überholte, doch Willi und Christoph waren noch weiterhin hinter mir. Es ging weiterhin schleppend voran und nach weiteren zwanzig Kilometern brauchte ich schon wieder eine Pause.

In dem kleinen Örtchen Göhrde hielt ich an einem Markstand für saisonales Obst und Gemüse sowie für leckere Fleisch-und Wurstwaren. Doch ich hatte nur Augen für die eisgekühlte Cola. Beim Trinken der Cola und dem interessanten Gespräch mit dem Standbesitzer wuchs in mir langsam der Entschluss, dass ich das heutige Brevet nicht zu Ende fahren könne. Ich saß insgesamt vierzig Minuten am Marktstand und als ich mich wieder aufs Rad setzte, sah ich von hinten Christoph und Willi heranradeln. Ich teilten Ihnen meinen Entschluss aufzuhören mit und somit radelten wir zusammen die restlichen zwanzig Kilometer zum dritten Kontrollpunkt nach Damnatz, direkt an der Elbe. Für den 47 Kilometer langen dritten Abschnitt brauchte ich insgesamt 3,5 Stunden. Auch hier kann man ablesen, dass ich nicht in bester Verfassung war.

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In Damnatz gab es vor der Verabschiedung von Christoph und Willi noch eine Apfelschorle und dann machte ich mich auf den 40 Kilometer langen Weg in die Heimat Ludwigslust. Schnell über die Elbe bei Dömitz und dann verließ ich die offizielle Brevetstrecke.

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Erleichtert erreichte ich die Heimat und macht es mir vorm Schloss bequem und stellte die ersten Überlegungen an, voran es denn gelegen haben könnte, dass ich dieses Brevet nicht zu Ende fahren konnte. Insgesamt fuhr ich an diesem Tag 220km. Also fehlten noch 380km bis zum Ziel nach Hamburg.

http://www.strava.com/activities/151814042

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Meine Eltern freuten sich über den unerwarteten Besuch und wie der Zufall es wollte, war ich rechtzeitig zu Hause um am gedeckten Tisch eine kleine Stärkung zu mir nehmen zu können. An dieser Stelle vielen Dank an meine Eltern die mich bestens umsorgt haben.

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Den Pfingstsonntag nutzte ich zur Erholung und überlegt mir, ob ich vielleicht am kommenden Samstag einen neuen Versuch starten sollte die 600km zu absolvieren. Diesmal in Berlin.

Doch die geplante Fahrt am Pfingstmontag zurück nach Hamburg zeigte mir, dass mein Körper aufgrund der Erkältung zurzeit einfach zu geschwächt ist, um eine solch große Anstrengung zu absolvieren. Ich kam auf der Fahrt nach Hamburg auch aufgrund des Wetters lediglich bis nach Boizenburg (52km von 120km). Somit steht der Entschluss fest, dass die diesjährige Brevet-Saison für mich zu Ende ist. Leider mussten auch meine Mitstreiter Christoph und Willi das Brevet kurz nach mir abbrechen. Schade, ich hätte Ihnen den erfolgreichen Abschluss gegönnt.

http://www.strava.com/activities/151814596

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Aber die nächste Saison kommt bestimmt und im nächsten Jahr geht es dann darum die Qualifikation für Paris-Brest-Paris zu schaffen und vorher die richtigen Entschlüsse aus den Erfahrungen dieser Brevet-Saison zu ziehen.

KEEP RIDING!

Soundtrack zum Blog-Eintrag:
Cro – Melodie

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