Brevet – Dreihundert Kilometer 2015 – Eine Prüfung der windigen Art …

… und für einige Randonneure auch eine der sandigen Art. Eine kleine Erkältung zwang mich eine komplette Woche vor dem Brevet dazu, kein Fahrrad zu fahren. Die Erkältung selbst war rechtzeitig abgeklungen, doch Bestand enormer Respekt vor den dreihundert Kilometern, da ich nicht einschätzen konnte, inwieweit der Körper geschwächt wurde. Dementsprechend wollte ich es sehr ruhig angehen lassen und aufgrund der Tatsache, dass ich die ganze Woche abends Zeit hatte, mich um die Strecke zu kümmern, war ich wohl noch nie so gut vorbereitet in ein Brevet gegangen. Sei es die Planung der Stops zum Auffüllen der Getränkeflaschen, das ungefähre Wissen starker Anstiege auf der Strecke oder die Essenpausen.

Wir verließen das Amstel House in Moabit mit zirka 30 Fahrern in der zweiten Gruppe des Tages und durch den Streckenverlauf der ersten 100 Kilometer in vornehmlich südlicher Richtung und dem vorhandenen Rückenwind bis nach Dahme war das Tempo angenehm hoch. Bis zum ersten Kontrollpunkt in Trebbin waren wir fast komplett in der Gruppe zusammen geblieben und dadurch konnte ich mich im Feld windgeschützt verstecken und meinem Plan den Puls nicht all zu hoch schlagen zu lassen nachgehen. Lediglich für das eine oder andere Foto musste ich mich dem Wind aussetzen.

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Stadtauswärts

Im Peloton der zweiten Gruppe des Tages

Im Peloton der zweiten Gruppe des Tages

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In eine neue Runde der Berlin-Brandenburger Brevets

Trebbin verließen Wolfgang und ich recht zügig, nachdem wir die Stempelkarte ausfüllen lassen haben. Auch bis nach Dahme sollten sich ab und zu funktionierende Gruppen finden. In der Nähe des kleinen Dorfes Baruth sorgte ein stetiger Anstieg über mehrere Kilometer dafür, dass die aktuelle Gruppe zerfiel. Ich ließ mich ans Ende fallen und hatte nur meinen Puls im Blick, damit die Anstrengung in Grenzen blieb. Dass ich vor den Randonneuren dieser Gruppe jedoch zu erst in Dahme sein sollte, das hatte mich dann später doch überrascht, denn auf meiner Strecke hatte ich niemanden mehr überholt. Und hier kommt der sandige Teil der Prüfung ins Spiel. Der GPS-Track hatte an zwei Stellen Abbiegungen parat, der die gut asphaltierte Straße verließ und auf einen kaum bis gar nicht befahrbaren Sandweg führte. Zu meinem Glück kamen direkt an der Abbiegung hinter mir Ralf, Matthew und Andy vorbei, die lautstark mir hinterher riefen, dass die eigentliche Strecke auf der Straße entlangführt. Also schnell das Fahrrad durch den Sand zurückgeschoben und weiter auf der Straße Richtung Dahme.

Alle Wege führen nach Dahme

Alle Wege führen nach Dahme

Für alle Randonneure, die sich bärenstark durch den Märkischen Sand Brandenburgs gepflügt haben und auch etliche Reifenpannen in Kauf nehmen mussten, hier eine kleine Aufmunterung. Der starke Bär ist nur für Euch. Bezeichnender Weise in der Nähe des sandigen Untergrunds entstanden.

Bärenstark durch den märkischen Sand

Bärenstark durch den Märkischen Sand

In Dahme wurden das erste Mal die Flaschen aufgefüllt und ich wollte es mir nicht nehmen lassen, nach der Stempelung der Karte in einem Blumenladen noch kurz an der Schlossruine von Dahme vorbeizuschauen. Es lag ein wenig abseits der Strecke, aber der kurze Umweg hatte sich gelohnt.

Frühlingsboten

Frühlingsboten

Blütenpracht vor dem Schloss in Dahme

Blütenpracht vor dem Schloss in Dahme

Dahme verließen wir dann wieder zusammengeführt auf dem Fläming-Skate Richtung Westen und ab hier permanent dem Wind ausgesetzt bis nach Wörlitz. Zirka 90 Kilometer. Bei Kilometer 133, dem dritten Kontrollpunkt des Tages in Oehna gab es dann die erste Stärkung. Hervorragende Pasta in einem ländlich geprägten Gasthof mit einer wohlig warmen Gaststube.

So ist es

So ist es

Al dente

Al dente

Die folgenden 60 Kilometer über Wittenberg(e) bis nach Wörlitz absolvierten wir im Zweiergespann und Wolfgang konnte ein paar Geschichten aus seiner Jugend zum Besten geben, da er in der Gegend aufgewachsen war. In Lutherstadt Wittenberg(e) überquerten wir die Elbe und fuhren auf der südlichen Seite flussabwärts entlang, immer die Deichkrone im Blick. Durch den Heimvorteil von Wolfgang verließen wir in Wörlitz die angedachte Strecke und erkundeten den wunderschönen Park, bevor wir uns zu einer weiteren Stärkung in einem Café niederließen.

Elbüberquerung in der Lutherstadt Wittenberg

Elbüberquerung in der Lutherstadt Wittenberg

Landmarken

Landmarke

Vesuv in Wörlitz

Vesuv in Wörlitz

Schmale Pfade

Schmale Pfade

Wolfgang in Wörlitz

Wolfgang in Wörlitz I

Wolfgang in Wörlitz II

Wolfgang in Wörlitz II

Leckerbissen der süßen Art

Leckerbissen der süßen Art

Mittlerweile hatten wir fast 200 Kilometer in den Beinen und meine Sorgen über meinen Gesundheitszustand und die Folgen für das Brevet stellten sich als unbegründet heraus. Um wieder auf die nördliche Elbseite zu gelangen, nahmen wir in größerer Gruppe die Fähre bei Coswig und füllten für die nächsten siebzig Kilometer unsere Flaschen ein letztes Mal auf, da es keine weitere Möglichkeit der Getränkeversorgung bis zum letzten Kontrollpunkt vor dem Ziel in Dobrikow mehr geben sollte.

Leinen los

Leinen los

Elbüberquerung mit der Fähre in Coswig

Elbüberquerung mit der Fähre in Coswig

Dieser vorletzte Abschnitt hatte neben welligen Passagen auch eine selbstverständliche Prüfung der Berlin-Brandenburger Brevets parat. Es erstreckte sich ein Granitpflaster über 2,5 Kilometer, welches für ein ordentliches Durchschütteln des bisher geschundenen Körpers sorgte. Ich glaube, dass war für mich der bisher längste Abschnitt auf einer gepflasterten Straße.

Rüttelmaschine

Rüttelmaschine

Doch die Abendsonne und deren Lichtspiele sollten eine tolle Entschädigung für die Strapazen sein.

Goldene Farben

Goldene Farben

Lichtspiele auf dem Weg nach Dobrikow

Lichtspiele auf dem Weg nach Dobrikow

Die Stimmung ist prächtig

Die Stimmung ist prächtig

Schattenspiele

Schattenspiele

Bis morgen in alter Strahlkraft

Bis morgen in alter Strahlkraft

Gastraum in Dobrikow

Gastraum in Dobrikow

Wir erreichten Dobrikow mit Einbruch der Dämmerung und eine letzte Stärkung, sowie mehrere Lagen an Radbekleidung sorgten für einen zügigen Verlauf der letzten 50 Kilometer zum Startpunkt unserer heutigen Ausfahrt. Lediglich die etlichen Signalanlagen ab der Berliner Stadtgrenze sorgten für ungewollte Stops. Wir erreichten das Amstelhouse kurz vor 23 Uhr und es wurden lebhaft erzählend die Erlebnisse des Tages ausgetauscht.

Rückkehr

Rückkehr

Letzte Stärkung

Letzte Stärkung

Unterhaltungen

Unterhaltungen

Es bleibt in meiner Erinnerung ein tolles Brevet mit einer tollen Strecke, gut eingeteilten Kräften, aber vor allem wieder tollen Momenten auf dem Rad mit vielen Gleichgesinnten, um nicht das Wort Verrückte zu benutzen. Ich denke, es war für die meisten eine tolle Entschädigung für das nasse 200er Brevet von vor 4 Wochen, trotz des sandigen Missgeschicks. In diesem Sinne. KEEP RIDING!!!

Rundkurs

Rundkurs

10 Gedanken zu „Brevet – Dreihundert Kilometer 2015 – Eine Prüfung der windigen Art …

  1. randonneurdidier

    Moin Rene, einen klasse Bericht hast Du geschrieben, und hervorragend sind auch die Fotos! Ich werde jetzt meinen Blog schreiben und Deinen wieder verlinken. Dann ist der Nutzen für alle gedoppelt. Herzliche Grüße
    Dietmar

    Antwort
    1. reneheiden Autor

      Hey Andy. Meine Grundkondition hat sich wohl doch gut gehalten über die kleine Erkältung. Und so richtig zügig bin ich ja erst zum Ende gefahren 🙂 Da hatte ich noch ein paar Reserven. Danke für die Fotos. Bis in zwei Wochen zum 400er.

      Antwort
  2. alex

    *schmatz* …bei dem Anblick der Lasagne würde ich mir auch noch überlegen mal eine 300km Brevet zu fahren. Aber erstmal „kleine Häuser bauen“.
    Ja – schöne Bericht und klasse Bilder.

    Antwort
    1. reneheiden Autor

      Hallo Alex. Danke und klein anzufangen ist genau der richtige Weg. Aber wenn man dann erstmal dabei ist, auf der Langstrecke den Tag zu verbringen, dann kommt man davon nur schwer wieder los. Und man kann sich noch viel mehr dieser Köstlichkeiten leisten, als nur diese leckere Lasagne. Also: KEEP RIDING!!!

      Antwort
  3. Pingback: Brevet – Dreihundert Kilometer – Ein Nachtrag | Rene Heiden – Paris-Brest-Paris 2015 – Das Blog

  4. Pingback: Brevet – Dreihundert Kilometer 2016 – Ein Traum in vielen Farben | Rene Heiden – Paris-Brest-Paris 20XX – Das Blog

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