Brevet – Zweihundert Kilometer 2015 – Eine Prüfung der nassen Art

Die Eröffnung der Brevet-Saison in Berlin-Brandenburg führte in den Nordwesten der Hauptstadt. Die Rundtour führte über Neuruppin, den ältesten Flugplatz der Welt, Nauen und über Spandau wieder zurück nach Moabit.

Die gesamte letzte Woche wurde genutzt um den Glykogen-Speicher aufzufüllen. Jeden Tag zwei Mahlzeiten mit mindestens einer Handvoll Nudeln auf dem Teller, sollten eine solide Energie-Grundlage für die erste Prüfung von insgesamt vier bilden.

Diese Brevet-Saison ist eine Besondere. Es findet dieses Jahr die Mutter aller Brevets statt. Paris-Brest-Paris. Um dort teilzunehmen muss man vorher die 200km, die 300km, die 400km und die 600km im gleichen Kalenderjahr erfolgreich absolviert haben.

Somit war die erste Prüfung dieser Saison das 200er Brevet. Viele bekannte Gesichter waren am Startpunkt im Amstel House zu erkennen. Wolfgang, mit dem ich bisher die meisten Brevet-Kilometer zusammen absolviert habe. Ingo+Klaus+Ralf, die mal wieder eine tolle Organisation und eine tolle, fordernde Strecke auf die Beine gestellt haben. Mathew und Andy, mit denen ich vor einem Panzer für ein Erinnerungsfoto posiert habe. Christoph, der ähnlich wie ich beim 600er Brevet im letzten Jahr in Hamburg leider abbrechen musste und der aus persönlichen, aber erfreulichen Gründen sein Ziel an Paris – Brest – Paris dieses Jahr teilzunehmen, verwerfen muss.

Insgesamt war der Andrang gleich dem vom Vorjahr und es machten sich wieder 90 Randonneure in drei Gruppen auf den Weg um die zuvor ausgehändigte Stempelkarte an den insgesamt fünf Kontrollstationen zu füllen.

IMG_0507 IMG_2834 IMG_2835Wie üblich, wurde die Stadt im Verband verlassen, um eine möglichst sichere Passage über die Großstadtstraßen zu gewährleisten. Die zweite Startergruppe wurde jedoch bei einer Ampelphase getrennt, sodass die Fahrt zum ersten Kontrollpunkt am Golfplatz Wall (54 KM) mit circa 20 Fahrern absolviert wurde. Unter anderem war auch Dietmar dabei, der ebenfalls über seine Brevet-Erlebnisse in digitaler Form berichtet. Also, um eine andere Perspektive auf das Brevet-Geschehen zu bekommen, empfehle ich sehr gerne Randonneur Didiers Seiten.

Brevet 200 – Bericht von Randonneur Didier

Die Fahrt bis zum Golfplatz verlief recht zügig, wobei sich an der Spitze fleißig abgewechselt wurde. Und auch das Wetter sollte bis zum ersten Stempel kühl und trocken bleiben. Doch die ersten Tropfen deuteten an, dass der angekündigte Regen nicht länger auf sich warten ließ und die eigentliche Prüfung nun folgen sollte. Die restlichen 160 Kilometer sollte es permanent, mal mehr mal weniger, feuchte Berieselung von oben geben. Also warfen sich die meisten in Ihre Regenbekleidung und setzten die Fahrt fort Richtung Wusterhausen.

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IMG_0508 IMG_2843 IMG_2844Es fand sich eine kleine Gruppe von fünf Fahrern, die zusammen auf eine weitere Gruppe von fünf Fahren auffuhr. Von Hinten schlossen sich drei weitere Randonneure an und die Gruppe sollte über den zweiten Kontrollpunkt (86 KM) bis zum dritten Kontrollpunkt in Wusterhausen (103 KM) zusammen bleiben, wobei auch diese geschlossene Bahnschranke dazu beitrug.

IMG_2839 IMG_2848 IMG_2853 IMG_2851 IMG_2850Ein typisches Element der Berlin-Brandenburger Brevets sind die fordernden Kopfsteinpflaster-Passagen. Auch ich wollte gefordert werden und ließ es mir nicht nehmen, jedes Pflaster komplett mitzunehmen und Wolfgang dabei mit einem „Yippieh“ zu begrüßen. Ich denke mal, er wird es vernommen haben. Auch Ralf, der sich für die Strecken verantwortlich zeigt, radelte mit ähnlicher Geschwindigkeit über die Passagen. Wir schauten uns nach Beendigung der längsten Passage an, und stellten angestrengt fest: „Wir leben!“ Nach solch einer Passage merkt man alle Muskeln und schätzt sich glücklich diese Teilprüfung gemeistert zu haben.

Am freien Kontrollpunkt in Wusterhausen befanden sich schon etliche andere Fahrer, sodass die Wartezeit für einen Stempel recht lange dauern würde. Wolfgang und ich gingen in den benachbarten Supermarkt und fragten die dortige Filialleiterin nach einem Stempel und bekamen nach kurzer Wartezeit diesen.

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IMG_0511Daraufhin machten wir gleich weiter und versuchten auf den folgenden Kilometer bis zum vierten Kontrollpunkt in Stölln (126 KM) uns die Kälte mit der einhergehenden Feuchtigkeit rauszufahren. Meine Handschuhe waren mittlerweile komplett mit Wasser durchzogen, doch stellten sie noch einen  guten Schutz vor dem Wind dar. Leider waren die ersten zehn Kilometer nach jeder Pause für die Hände eine Tortur. Jeder, der im Winter ohne Handschuhe längere Zeit im Freien ist, weiß wovon ich rede. Da sich der Körper zunächst auf die Mitte des Körpers konzentriert, waren die Finger leider erst nach den besagten zehn Kilometern wieder warm. Unseren Weg nach Stölln absolvierten wir Beide alleine und es hat sich wieder gezeigt, dass da ein gut harmonierendes Gespann unterwegs war.

In Stölln befindet sich der wohl älteste Flugplatz der Welt, denn absolvierte doch der berühmte Karl Wilhelm Otto Lilienthal hier seine ersten Flugversuche. Die Fotos vor seinem Denkmal zeigen, wie die Feuchtigkeit auch langsam die Digitalkamera ergriff. Mit der Zeit war überall Feuchtigkeit.

IMG_2856 IMG_2857Am „Flughafen“ Stölln, wo eine Iljuschin der Interflug geparkt ist, und der ein Außenstandort der BUGA 2015 ist, machten wir eine längere Pause und wärmten uns bei einer gemütlichen Mahlzeit ein wenig auf.

IMG_2859 IMG_0512 IMG_0513Nach circa 45 Minuten schwangen wir uns zurück auf die Sättel der Räder und absolvierten die restlichen 85 Kilometer teilweise zu Dritt und ab der Berliner Stadtgrenze zu Fünft, inklusive einem Liegerad-Randonneur. Doch auch wie im letzten Jahr beim 200er Brevet, gab es für mich wieder Bodenkontakt. Leider bin ich zu schnell in eine scharfe Kurve auf einem Radweg gefahren. Während des Einlenkens betätigte ich den Bremshebel, sodass bei den nassen Verhältnissen mein Rad ein Eigenleben entwickelte und ich auf meine rechte Körperhälfte fiel. Auch wie im letzten Jahr verlief der Sturz ohne wesentliche körperliche Beschwerden, sondern lediglich mit Materialschäden an der Kleidung und dem Rad. Die Regenjacke und das Trikot besaßen ungewollte Öffnungen und auch das Schaltauge des Rades war nicht in dem Zustand, wie es hätte sein sollen. Als Resultat der Beschädigung des Schaltauges musste ich die verbleibenden 60 Kilometer mit lediglich zwei Gängen auskommen, um zu vermeiden, dass es zum ungewollten Kontakt zwischen Speichen und Schaltung kommt.

IMG_2860IMG_0515Die unfreiwillige Pause dauerte lediglich drei Minuten und nach einem kurzen Stopp zum Auffüllen der Getränkeflaschen in Nauen, erreichten wir glücklich, durchnässt und teilweise durchgefroren gegen halb Fünf Nachmittags den Zielpunkt. Insgesamt waren wir trotz schlechterem Wetter schneller unterwegs als letztes Jahr und trotz der vielen bisher gemeinsamen Kilometer mit Wolfgang, war es das erste Brevet, welches wir vom Anfang bis zum Ende gemeinsam absolvierten. Vielleicht nicht das Letzte.

IMG_0517Wir verbrachten noch circa zwei Stunden im Amstel House und nahmen Getränke und eine wärmende Lasagne zu uns. Es werden die Erinnerungen an die bisher schwerste meteorologische Prüfung auf dem Rennrad bleiben, aber auch die Gewissheit, dass selbst sieben Stunden Regen ein Fortkommen nicht in Gänze unmöglich machen. An alle, die diese Prüfung angetreten sind: Bravo, Ihr tollkühnen Randonneure und stellvertretend ein dickes Dankeschön aller Randonneure an die Unterstützung, die wir zu Hause erhalten.

IMG_0519In diesem Sinne:

KEEP RIDING!!!

Vollbildaufzeichnung 23.03.2015 093304

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2 Gedanken zu „Brevet – Zweihundert Kilometer 2015 – Eine Prüfung der nassen Art

  1. Andy

    Hi Rene, deine grauen Bilder holen die Stimmung authentisch wieder zurück.
    Nächstes mal aber bitte hoffentlich wieder in Farbe 🙂
    Gruß,
    Andy

    Antwort

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