Zweimal über die ehemalige innerdeutsche Grenze – 25 Jahre danach

Dieser Artikel beginnt mit dem Lokführerstreik der GDL und meinem vor 6 Wochen gekauften neuen Trainingsrad für die Berliner Straßen und derer im Brandenburger Umland.
Das Rad sollte zwecks der ersten Inspektion wieder für eine Woche zurück nach Hamburg zur Werkstatt des empfehlenswerten Radsportladens „Radsport von Hacht“.Rad im KellerDas Ticket für mich und das Rad hatte ich schon vorweg besorgt und in der Woche vor dem 25-jährigen Jahrestag des Mauerfalls kündigte die GDL Ihren längsten Ausstand Ihrer Gewerkschaftsgeschichte an. Das machte meinen Plan das Rad per Bahn nach Hamburg zu bringen zu Nichte. Als ich Tanja davon erzählte, machte Sie mir einen Vorschlag. Und ich nehme jetzt schon vorweg, dass ich nicht auf die Idee gekommen wäre. Toll wenn man einen Partner hat, der die Leidenschaft versteht und dazu beiträgt neue Wege zu „erfahren“. Danke. Sie meinte: „Fahr doch am Samstag zu Deinen Eltern nach Ludwigslust, übernachte dort und am Sonntag fährst du weiter nach Hamburg. Kurz überlegt, die Streckenkilometer ermittelt, die Wettervorhersage gecheckt und in der Heimat nach Anwesenheit gefragt. Alle Überlegungen führten zur uneingeschränkten Einschätzung: „Machen!“ Und das Wortspiel anlässlich des feierlichen Jubiläums „Rüber Machen!“ ist wohl an dieser Stelle nicht zu plump.

Aufgrund der späten Jahreszeit standen mir für die erste Etappe von Berlin-Friedrichshain nach Ludwigslust ungefähr 9 Sonnenstunden zur Verfügung und mit Dämmerung 10 Stunden Helligkeit. Knapp bemessen für ca. 200 Kilometer, zumal die bisher absolvierten Brevets mit einer mittleren Reisegeschwindigkeit (inkl. Pausen) von 20km/h genau in diesem Zeitrahmen lagen.

Mond und FernsehturmAlso begann die Fahrt am Samstagmorgen des 8. Novembers halb sieben im Osten Berlins. Ich überquerte die ehemalige Grenze am populärsten Ort, dem Brandenburger Tor. Dort konnte ich mich von den abgeschlossenen Vorbereitungen zu den einen Tag später stattfindenden Feierlichkeiten überzeugen. Vor allem die Lichtinstallation der einen Tag später aufsteigenden Ballons, welche den ehemaligen Mauerverlauf Berlins verdeutlichen sollten, war sehr beeindruckend. Ein paar Bilder in der Morgendämmerung vor historischer Kulisse und dann begann das Teilstück heraus aus Berlin.

Ballons statt Mauer Geschichtsträchtiger OrtDie Strecke die mir komoot herausgesucht hatte, führte die ersten 140km hauptsächlich über ländliche Straßen Brandenburgs und Sachsen-Anhalts. Wunderschöne Farbgebungen von Rot, Gelb und Grün der im leichten Wind sich räkelnden Blätter und die direkte Sonneneinstrahlung machten diesen Teil zu einem wahren Genuss des Pedalierens.

Durst FahrradstraßeEine längere Pause sollte es in Havelberg nach 120 Kilometer geben. Ein Mittagsmahl in einem kleinen, feinen Restaurant. Das war der Plan. Doch leider hatte ich beim Packen des Rucksacks am Vorabend vergessen das nötige Kleingeld einzupacken. Also gab es die längere Pause auf dem Teppichboden der örtlichen Sparkasse und zum Essen gab es geschmierte Brötchen mit Käse. Das Auffüllen der Getränke erfolgte nach höflicher Nachfrage im Labor einer Apotheke.

Die folgenden dreißig Kilometer bis nach Perleberg erfolgten unter einem schwereren Tritt. Zu sehr hatte ich mich auf eine warme Mahlzeit eingestellt und dementsprechend war die Motivation nicht auf höchstem Niveau. Also ein bisschen Musik auf die Ohren und ein wenig ablenken lassen von diesem zu diesem Zeitpunkt tristen Novembergrau.

Landschaft Selbstporträt 1Die letzten Kilometer von der brandenburgisch-mecklenburgischen Grenze glichen einer Einladung der Natur ins Freie zu kommen und dort die Zeit zu verbringen. So waren die finalen Kilometer für diesen Tag schnell absolviert und ich erreichte die Heimat gegen 15 Uhr. Also viel früher als gedacht, was dem hervorragenden Wetter, dem neuen schnellen, leichteren Renner und der ungewollt nicht absolvierten Mittagspause gutzuschreiben ist.

AlexandrineRüber machen Teil 1In Ludwigslust wurden die körperlichen Reserven bei meinen Eltern wieder aufgefüllt durch leckere Nudeln asiatischer Art. Danach kurz die Strecke des nächsten Tages nach Hamburg geplant. Der Tag endete dann aufgrund von einkehrender Müdigkeit ziemlich früh gegen 21 Uhr.

Am nächsten Morgen schlüpfte ich in die frisch gewaschenen Klamotten und frühstückte gegen sieben Uhr das erste Mal. Das zweite Mal folgte dann gleich eine Stunde später bei meiner Schwester, wo ich auf jeden Fall auch vorbei schauen wollte. Gegen 9 Uhr machte ich mich dann auf den zweiten, 135km langen Tagesabschnitt nach Hamburg. Die Strecke war nicht spektakulär, aber bestens präpariert für schnellen Radsport. Denn der Großteil der Fahrt erfolgte auf der Bundesstraße 5.

Selbstporträt 1 Top ZustandAngekommen in Boizenburg sollte es dann die zweite Grenzpassage von Ost nach West auf meiner Tour geben. Wie der Zufall es wollte, hatte sich an diesem besonderen Tag eine Kolonne an nostalgischen Trabanten den Platz auf der Bundesstraße erkämpft. Ein toller Anblick.

Fahr Trabi FahrKurz nach der Passage der ehemaligen Grenze erfolgt die Mittagspause bei heißer Schokolade, Bockwurst im Brötchen und einem Käsebrötchen in einer Tankstelle in Lauenburg. Mein Plan war es auch noch bei Angela und Olaf in Allermöhe am Deich vorbeizuschauen.

ElbeAls ich morgens eine Zeit an die Beiden übermittelte, hätte ich noch nicht gedacht, dass ich 120km später genau auf die Minute zur angegeben Zeit an der Haustür der beiden stand. „Punktlandung!“, war der Kommentar. Obendrauf zum Kommentar gab es noch einen leckeren Pfefferminztee, bevor es dann an den letzten Abschnitt durch die Hamburger Innenstadt ging. Erstaunlicher Weise erreichte diese Etappe trotz der Vortagesstrapazen einen schnelleren Schnitt. Das Training und die vielen Kilometer scheinen sich langsam auszuzahlen.

Rüber machen Teil 2Was bleibt nach dieser Tour mit historischem Hintergrund? Viele Gedanken während der Fahrt drehten sich um dieses Ereignis vor 25 Jahren. Was wäre wenn, wenn es nicht passiert wäre? Wo würde ich jetzt mit Rad fahren? Würde ich überhaupt Rad fahren? Was würde ich arbeiten? Tja, alles Fragen die sich nicht beantworten lassen!

AnkunftAber ich bin froh, dass es so ist und an diesem Wochenende radelnder Weise viele wichtige Menschen meines Lebens getroffen und umarmt zu haben. In diesem Sinne:

KEEP RIDING!!!

4 Gedanken zu „Zweimal über die ehemalige innerdeutsche Grenze – 25 Jahre danach

  1. Maik Krüger

    Also als ich las, dass du die Reise geplant hast und der Streik kam, war mein erster Gedanke direkt, dass du doch mit Rad fahren hättest können. Da standest du wohl auf dem Schlauch. 🙂

    Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s