Brevet – Zweihundert Kilometer 2014

Samstagmorgen 4:15 Uhr. Der Wecker klingelt und los geht das Abenteuer Brevet fahren. Bereits für 7 Uhr ist der Start geplant und ein Erscheinen gegen 6 Uhr war vom Veranstalter empfohlen worden, um rechtzeitig die Startunterlagen zu bekommen.
Also raus aus dem Bett und das Verpflegungspaket zusammen gestellt. Ein Foto statt vieler Worte. Der reich gedeckte Frühstücks- und Provianttisch.

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Die Aufregung auf das Bevorstehende stieg minütlich, sodass ich mich schwer tat die Haferflocken in sowohl flüssiger als auch fester Form am frühen Morgen zu verzehren. Doch die liebevolle Unterstützung und gute Laune, bereits zu dieser frühen Zeit, half dabei. Danke.

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Und dann musste es auch schon losgehen. Schnell die langen Radklamotten angezogen, das Fahrrad aus dem Keller geholt und ab ging die Fahrt durch die Berliner Morgenluft. Es waren zunächst die zehn Kilometer zum Startpunkt zurückzulegen.

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Dort angekommen waren schon viele Randonneure, so werden Langstreckenfahrer genannt, vor Ort und nahmen Ihr Frühstück ein. Zusätzlich wurde Tee und Kaffee für „umme“ bereitgestellt. An einem separaten Tisch gab es die Startunterlagen. Neben einer Streckenbeschreibung und einer Karte, welche schon eine Woche vorher per elektronischer Post verschickt wurden, verteilte einer der Organisatoren die Homologations-Karte.

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Die Homologations-Karte ist der Nachweis für den Brevet-Fahrer, dass er alle Kontrollstellen eines Brevets passiert hat. Zudem ist für jede Kontrollstelle ein Zeitfenster definiert, in welchem der Fahrer die Kontrollstelle zu erreichen hat. So war zum Beispiel die erste Kontrollstelle „Linum Rasthof“ nach fünfzig Kilometern zwischen 08:34 Uhr und 10:32 Uhr offen. Und für Diejenigen die jetzt denken: “Da kann man doch zwischen den Kontrollstellen abkürzen?!“ Dies ist nicht möglich, da die Streckenführung zwischen zwei Kontrollstellen stets die kürzeste ist. An jeder Kontrollstelle muss ein Stempel eines ortsansässigen Betriebes und die Zeit des Stempelns in die Homologationskarte eingetragen werden. Nur wenn Stempel und Zeiten aller Kontrollstellen vollständig vorhanden sind, kann das Brevet offiziell anerkannt werden. So, und hier die Homologationskarte meines ersten Brevets.

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Der eigentliche Start wurde in drei Gruppen á 30 Fahrern aufgeteilt, die in Abständen von zehn Minuten losgeradelt sind. Vor Startbeginn gab es noch ein paar erläuternde Worte der Organisatoren mit guten Wünschen für die Reise. Zudem den Hinweis: „Wenn Ihr es bis 16 Uhr schafft, kommt Ihr rechtzeitig zur Happy Hour. Zwei Bier und nur Eins bezahlen!“ Das war für mich natürlich nebensächlich. Aber kaum war die Berliner Stadtgrenze erreicht und die letzten Hauptstadt-Ampeln passiert, wurde Fahrt aufgenommen und ungefähr zwanzig Fahrer haben sich beim Tempo von 30 km/h bei der Führungsarbeit abgewechselt. „Da habe ich wohl eine schnelle Gruppe erwischt.“, dachte ich. Und der Vorsatz es gemächlich anzugehen war erstmal dahin. So habe ich versucht in dieser Gruppe zu bleiben und zu schauen wie weit mich meine Beine bei diesem Tempo tragen. Gespräche mit zwei augenscheinlich erfahrenen Randonneuren aus Sachsen-Anhalt ermutigten mich es so zu versuchen. „Fahr dein Tempo ruhig weiter, aber nicht in den roten Bereich gehen. Dann wird es ein großer Spaß für Dich!“ Gesagt, getan.

Doch schon nach fünfzehn Kilometern schoss das Adrenalin unerwartet durch meinen Körper. Aufgrund eines überholenden Autos wurde es kurzzeitig unruhig in der Gruppe und Hinweise von der Gruppenspitze waren für mich nicht eindeutig zu vernehmen, sodass ich wohl zu stark die Vorderbremse betätigte. Das ist generell ja nicht schlimm, aber auf nassem Kopfsteinpflaster?! Das Vorderrad rutschte weg und ich glitt paar Meter über eben über diese Kopfsteinpflaster. Glück im Unglück. Die hinter mir Fahrenden konnten alle ausweichen und haben sich nach kurzer Erkundigung meines Zustandes wieder aufs Fahrrad geschwungen. Voller Adrenalin habe ich mich wieder aufs Rad gekämpft und bin mit der Gruppe weiter gefahren. Dann kamen langsam die Schmerzen durch. Aber es waren lediglich Schürfwunden, welche ich dank meines Erste-Hilfe-Sets an der ersten Kontrollstelle versorgen konnte. Hier das Bild an der ersten Kontrollstelle und ein Bild vom betroffenen linken Oberschenkel zwei Tage danach.

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Angekommen an der ersten Kontrollstelle. Meine Erwartung war, dass ich nach Versorgung meiner Schürfwunde, mich zu den Anderen gesellen kann und wir gemütlich eine Pause machen. Tja, die meisten haben sich kurz einen Kaffee besorgt, sich die Homologationskarte ausfüllen lassen und nach gefühlten fünf Minuten saßen wir schon wieder auf dem Rad. Also einen entspannten Radausflug hatte ich mir anders vorgestellt. Das war schon ein wenig stressig. Zumal es bei dem bisher veranschlagtem Tempo längere Pausen kein Problem dargestellt hätten. Und so fuhren wir weiter zur zweiten Kontrollstelle nach hundert Kilometern in Rathenow. Stempel und Zeit eintragen lassen beim „Bingöl-Grill“, Flaschen aufgefüllt und schon wieder ging es ohne kurze Rast weiter. Auf zu den nächsten dreißig Kilometern nach Brandenburg. Kontrollstelle – Aral. Und hier gab es dann eine längere Pause. 15 Minuten. Ja, mehr waren es nicht. Echt der Wahnsinn, wie die Jungs durch den Tag „gehetzt“ sind.
In Brandenburg gab es die ersten Sonnenstrahlen für diesen Tag. Aufgewachsen in der Nähe der Griesen Gegend in Mecklenburg bin ich ja Einiges gewöhnt. Aber bis nach Brandenburg gab es lediglich Temperaturen von 2-5°C, Nebel und Reif der auf den Feldern hing. Also kann ich bis hierher weder eine positive noch eine negative Einschätzung über die Landschaft nordwestlich von Berlin geben. Aber die gewählte Strecke war hinsichtlich des Untergrunds und des Verkehrsaufkommens tadellos. Ein Lob an die Organisatoren.
Bis zurück nach Berlin schien die Sonne unentwegt. Die Strecke zwischen Brandenburg und Berlin, Potsdam nördlich passierend, ist landschaftlich sehr schön und lies in die Gruppe eine gewisse Ruhe einkehren, sodass dass das Tempo bis zur Fährüberfahrt der Havel in Ketzin (Kilometer 157) gemäßigt war, und die Landschaft ein wenig genossen werden konnte.

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Gute fünf Kilometer später wurde das Tempo erneut angezogen und es fand ein gewisses Ausscheidungsrennen bis nach Berlin statt. Aber da wollte und konnte ich nicht mehr mithalten, sodass ich die letzten vierzig Kilometer alleine absolvieren musste. Aber diese waren nach einer längeren Pause an der letzten Kontrollstelle in Sacrow sehr entspannend. Ich hatte Gelegenheit die Landschaft in aller Ruhe zu genießen und das Erlebte bis hierher zu verarbeiten. Nach ca. 9 Stunden und 30 Minuten und etlichen Berliner Ampeln hatte ich den Startpunkt wieder erreicht und zweihundertsieben Kilometer absolviert. Das Rad abgestellt, ein wenig Wasser ins Gesicht, die bereitgestellte Lasagne in der Mikrowelle erwärmt und kleine Gespräche zwischen den Randonneuren. Das war also das erste Brevet.

http://www.strava.com/activities/125011613

Fazit: Bis auf den anfänglichen Sturz und das für mich überraschend eilige Tempo, waren es nur positive Eindrücke. Sehr offene, zuvorkommende und immer für einen Scherz bereite Randonneure. Eine tolle Strecke, und die Erkenntnis. Ich freu mich beim Schreiben der letzten Zeilen auf das nächste Brevet in zwei Wochen. Dann geht es über dreihundert Kilometer. Bis dahin. Keep on Riding.
Soundtrack zum Blog-Eintrag: Marteria – Zum Glück in die Zukunft II

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